Wie unterstützt KI das Aktuariat einer Versicherung?

Indem sie die Datenaufbereitung übernimmt, die vor jeder Analyse steht. Bestands- und Schadendaten werden automatisiert ausgewertet, Prognosen und Reports erstellt – und zwar so, dass die Auswertung transparent und reproduzierbar bleibt, statt in gewachsenen Tabellen und manuellen Zwischenschritten zu verschwinden. Der aktuarielle Kern, also Methodenwahl und Beurteilung, bleibt beim Aktuar. Was entfällt, ist die Vorarbeit.
Warum das Aktuariat ein eigenes Feld ist
In Schaden, Underwriting und Vertrag geht es um Einzelvorgänge: ein Schaden, ein Antrag, eine Änderung. Im Aktuariat geht es um Bestände, Zeitreihen und Aggregate. Die Automatisierung setzt deshalb an einer anderen Stelle an – nicht bei der Bearbeitung eines Falls, sondern bei der wiederkehrenden Herstellung einer belastbaren Datengrundlage.
Der Aufwand, um den es geht, ist bekannt und wird selten beziffert: Daten aus mehreren Quellen zusammenführen, Definitionen abgleichen, Ausreißer und Strukturbrüche finden, Vorperioden nachvollziehen, Ergebnisse aufbereiten. Diese Arbeit ist notwendig, sie ist qualifiziert, und sie ist nicht das, wofür ein Aktuar ausgebildet wurde.
Was automatisiert wird
Datenaufbereitung. Zusammenführen von Bestands- und Schadendaten, Prüfung auf Vollständigkeit und Plausibilität, Kennzeichnung von Auffälligkeiten. Entscheidend ist, dass die Aufbereitung nach festgelegten, dokumentierten Regeln erfolgt und nicht nach dem Vorgehen der Person, die sie gerade macht.
Reproduzierbare Auswertung. Jede Auswertung ist an ihre Datengrundlage, ihre Regeln und ihre Version gebunden. Damit ist eine Zahl aus dem letzten Quartal später erklärbar – wer welche Definition verwendet hat, ist keine Rekonstruktionsaufgabe mehr.
Prognosen und Reports. Wiederkehrende Berichte entstehen aus derselben geprüften Grundlage, statt jedes Mal neu aufgebaut zu werden. Der Zeitgewinn liegt weniger in der Rechnung als im Wegfall der Abstimmung darüber, welche Zahl nun gilt.
Was nicht automatisiert wird
Die Methodenwahl, die Beurteilung von Angemessenheit, die Festlegung von Annahmen und die Verantwortung für das Ergebnis. Ein Reservierungsverfahren wird nicht deshalb richtig, weil es ein System vorschlägt. KI liefert im Aktuariat Aufbereitung und Hinweise, nicht Urteile – und das ist keine Einschränkung, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Ergebnisse verwendbar sind.
Der Nebeneffekt, der oft mehr wert ist
Wenn Aufbereitung und Definitionen einmal explizit festgelegt sind, fällt auf, wie unterschiedlich sie vorher waren. In der Praxis ist das der eigentliche Ertrag der ersten Runde: nicht Zeitgewinn, sondern eine einheitliche Datengrundlage, auf die sich Aktuariat, Controlling und Fachbereiche beziehen können. Reproduzierbarkeit ist zugleich das, was Innenrevision, Wirtschaftsprüfung und Aufsicht sehen wollen.
Voraussetzungen im Haus
Es braucht Zugang zu Bestands- und Schadendaten über Schnittstellen oder Batch-Verarbeitung, festgelegte Definitionen der verwendeten Größen und eine benannte Person, die im Zweifel entscheidet, welche Definition gilt. Der dritte Punkt ist der, an dem es üblicherweise hängt – nicht der erste.
Verhältnis zu den anderen Prozessfeldern
Die Verbindung ist enger, als die organisatorische Trennung vermuten lässt. Was in Schaden, Underwriting und Vertrag an Daten strukturiert erfasst wird, ist die Grundlage dessen, was das Aktuariat später auswertet. Ein Haus, das die Vollständigkeit im Eingang verbessert, verbessert damit auch die Qualität seiner Bestands- und Schadenauswertungen – dieselbe Plattform, dieselbe Datenbasis, zwei Nutzenebenen.
9elf26.ai ist die zentrale KI-Plattform für Versicherer – einsatzbereit in Schadenmanagement, Underwriting, Kundenservice und Vertragsprozessen sowie im Aktuariat.
