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Fehlt ein Begriff?

Dieses Glossar wird laufend ergänzt. Schreiben Sie uns, welchen Begriff Sie vermissen.

ZÜRS

Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen, mit dem Adressen in Gefährdungsklassen eingeordnet werden. Es ist im deutschen Markt die Referenz für die Bewertung von Elementargefahren in der Sach- und Wohngebäudeversicherung. In der Risikoprüfung wird die Zonierung objektbezogen abgefragt und wirkt auf Annahmeentscheidung, Selbstbehalt und Prämie.

Zeichnungsreife

Zustand eines Antrags im Gewerbe- und Industriegeschäft, in dem alle risikorelevanten Angaben für die Zeichnungsentscheidung vorliegen. Typisch fehlende Angaben sind Vorschadenverlauf, Sicherungstechnik und Gebäudedaten. Da Makler Anfragen häufig parallel an mehrere Versicherer richten, wirkt die Zeit bis zur Zeichnungsreife unmittelbar auf die Abschlussquote.

Wiedervorlage

Terminierte Wiederaufnahme eines Vorgangs, der auf eine ausstehende Information wartet. Die Wiedervorlage ist der stille Aufwandstreiber der Sachbearbeitung: Sie erzeugt keinen Fortschritt, muss aber gesetzt, überwacht und ausgewertet werden. Weil sie in keiner Statistik als eigener Schritt erscheint, wird der Aufwand systematisch unterschätzt.

Vollständigkeitsprüfung

Abgleich eines eingegangenen Vorgangs gegen den Katalog der für diesen Fall erforderlichen Angaben. Entscheidend ist, dass der Katalog aus dem Haus stammt und fachlich abgestimmt ist – ohne ihn wird nicht Vollständigkeit geprüft, sondern eine Annahme automatisiert.

 

Die Vollständigkeitsprüfung ist von der inhaltlichen Prüfung zu trennen: Sie beantwortet nur, ob bearbeitet werden kann, nicht wie entschieden wird.

Retrieval

Verfahren, bei dem ein KI-System vor der Antwort gezielt in vorgegebenen Quellen nachsieht, statt allein aus dem Modellwissen zu antworten. In der Versicherung sind diese Quellen typischerweise Bedingungswerke, Arbeitsanweisungen, Tarifunterlagen und der Vorgang selbst. Retrieval ist der wesentliche Hebel gegen Halluzinationen, weil die Antwort an belegbare Textstellen gebunden wird.

Regressbearbeitung

Prüfung und Durchsetzung von Ansprüchen gegen Dritte, nachdem der Versicherer geleistet hat. Der Regress ist stark unterlassungsanfällig: Ansprüche verjähren, Unterlagen fehlen, und der wirtschaftliche Ertrag pro Fall ist zu gering, um manuelle Nachverfolgung immer zu rechtfertigen. Genau diese Kombination macht ihn zu einem der wirtschaftlichsten Automatisierungsfelder.

Prompt-Versionierung

Die Praxis, jede Änderung an den Anweisungen an ein Sprachmodell zu erfassen, zu nummerieren und aufzubewahren. Ohne Versionierung ist ein früheres Ergebnis nicht reproduzierbar, weil unklar bleibt, mit welcher Anweisung es erzeugt wurde.

 

Für Versicherer ist sie faktisch Voraussetzung der Nachvollziehbarkeit, weil sich Modell und Anweisung im Betrieb häufiger ändern als die Fachlogik.

Policierung

Die technische und rechtliche Umsetzung eines Vertrags oder einer Vertragsänderung im Bestandsführungssystem, in deren Ergebnis ein Versicherungsschein oder ein Nachtrag entsteht. Solange eine Änderung nicht policiert ist, gilt der bisherige Vertragsstand – bei einer Summenerhöhung bedeutet das im Schadenfall potenziell Unterversicherung.

 

Die Zeit von der Änderungsanzeige bis zur Policierung ist deshalb nicht nur eine Effizienz-, sondern eine Haftungsfrage.

Nachfragequote

Anteil der eingegangenen Vorgänge, die vor der abschließenden Bearbeitung mindestens eine Rückfrage an Kunden, Vermittler oder Dritte erfordern. Die Kennzahl wird prozessbezogen gebildet, weil Schaden, Antrag, Vertragsänderung und Voranfrage sehr unterschiedliche Werte haben.

 

Sie ist in den meisten Häusern nicht erhoben, weil der zugehörige Aufwand zwischen den Systemen entsteht und von keinem einzelnen System ausgewiesen wird.

Hochrisiko-KI-System

Ein KI-System, das nach der KI-Verordnung in einen der in Anhang III genannten Anwendungsbereiche fällt und dadurch besonderen Pflichten unterliegt – etwa Risikomanagement, technische Dokumentation, Protokollierung und menschliche Aufsicht.

 

Für Versicherer ist relevant, dass Risikobewertung und Preisbildung in der Lebens- und Krankenversicherung dort genannt sind. Die Pflichten gelten nach der Verschiebung durch den Digital Omnibus ab dem 2. Dezember 2027.

Halluzination

Eine Ausgabe eines Sprachmodells, die sprachlich plausibel, inhaltlich aber falsch oder frei erfunden ist. Halluzinationen sind kein Fehler im Sinne eines Programmierfehlers, sondern eine Eigenschaft generativer Modelle; sie lassen sich nicht ausschließen, aber durch Faktenbindung, Prüfregeln und menschliche Freigabe beherrschen.

 

In der Versicherung liegt der Umgang damit weniger in der Modellwahl als in der Prozessgestaltung: Wo ein Ergebnis rechtlich wirkt, entscheidet ein Mensch.

Dunkelbetrieb

Betriebsart, in der ein Vorgang vollständig automatisiert und ohne Sichtung durch einen Mitarbeiter abgeschlossen wird. Der Dunkelbetrieb setzt eng definierte Fallgruppen, klare Abbruchregeln und eine belastbare Qualitätsmessung voraus.

 

Er ist kein Ziel für alle Vorgänge, sondern für die einfachen – der wirtschaftliche Nutzen entsteht meist schon dadurch, dass komplexe Fälle vorbereitet statt entschieden werden.

Beurteilbarkeit

Zustand einer Risikovoranfrage, in dem alle Angaben vorliegen, die für ein Votum nötig sind. Nicht beurteilbar heißt: Die Anfrage kann nicht bewertet werden, unabhängig davon, wie das Votum später ausfällt. Im Leben- und BU-Geschäft ist dieser Zustand der häufigste Grund für Bearbeitungsverzug, weil medizinische Unterlagen von Dritten beigebracht werden müssen.

Automatisierungsquote

Der Anteil der Vorgänge, die ohne manuellen Eingriff vollständig bearbeitet werden. Die Kennzahl ist nur aussagekräftig, wenn der Bezugsprozess und die Definition von „vollständig“ mitgenannt werden; eine Quote über alle Sparten hinweg sagt wenig. Zu unterscheiden ist sie von der Teilautomatisierung, bei der ein System vorbereitet und ein Mensch entscheidet.

Audit-Trail

Eine lückenlose, nachträglich nicht veränderbare Aufzeichnung darüber, welche Daten ein System verarbeitet, welche Regeln es angewendet und welche Ergebnisse es erzeugt hat.

 

Für Versicherer ist der Audit-Trail die Grundlage jeder Nachweisführung gegenüber Innenrevision, Wirtschaftsprüfung und Aufsicht.

 

Bei KI-Systemen gehören zusätzlich die verwendete Modellversion und die eingesetzte Prompt-Version dazu, weil sich das Ergebnis sonst nicht reproduzieren lässt.

Annahmefähigkeit

Ein Antrag ist annahmefähig, wenn alle für die Risikoentscheidung erforderlichen Angaben vorliegen. Die Annahmefähigkeit ist damit die Vorstufe der Annahme, nicht ihr Ergebnis: Ein annahmefähiger Antrag kann angenommen, abgelehnt oder mit Zuschlag versehen werden.

 

In der Praxis scheitern viele Anträge nicht an der Risikoentscheidung, sondern daran, dass sie diese Stufe wochenlang nicht erreichen.

Sechzehn Begriffe, die in Gesprächen über KI in Versicherungsprozessen regelmäßig vorkommen – jeweils in einem Satz definiert und anschließend fachlich eingeordnet.

Glossar: KI in der Versicherung

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